Das verfluchte Hochzeitskleid TEIL 2

 

Im ersten Teil habe ich euch von dem Fluch erzählt, welcher jede Ehe belegt, wenn man sein Brautkleid selber näht. Ich habe es trotzdem gewagt – und so viel schon einmal vorweg: Ich habe dem Fluch mitten ins Gesicht geschaut.

 

 

Noch 3 Wochen bis zur Hochzeit – und ich hatte immer noch nichts zum Anziehen.

Nach der Arbeit schlenderte ich über den Ku´damm. Ich ging in eine Boutique und da hing es. Ein Top. Mir hat es sofort gefallen. Zarte Träger, kurz geschnitten, schöner Ausschnitt und das wichtigste – aus Tencel und fair produziert. Ich nahm mir meine Größe, ging in die Umkleidekabine und probierte es. Da war er. Der WOW-Moment. Es passt perfekt, fühlt sich wunderbar an. Ich wusste, das Top muss ein Teil meines Outfit sein. Das einzige Problem bei der ganzen Sache: Es ist schwarz! „Egal“, dachte ich mir. „Ich muss mich als Braut wohl fühlen und da sollte es mir egal sein, was andere für Erwartungshaltung an mich haben.“

- Gut, das Top ist gekauft. Dann brauche ich „nur“ noch den Rest. Aus der gekauften Seide wollte ich mir einen Rock nähen und falls es kälter sein sollte, habe ich mir eine weiße, handgestrickte Bio Kaschmir Stola gekauft. Den Schnitt für meinen Rock hatte ich auch schnell fertig. Also zumindest in meinem Kopf.

 

Noch 13 Tage bis zur Hochzeit – der Schnitt passt, das Muster ist genäht und ich habe den finalen Rock zugeschnitten. Ok, ich kann kurz durchatmen.

 

Noch 10 Tage bis zu Hochzeit – ich habe mir einige Paar Schuhe nach Hause liefern lassen. Aber bevor ich diese anprobiere, muss ich nur noch schnell ein paar allgemeine organisatorische Hochzeiterledigungen machen: alles einkaufen, Blumen aussuchen, Deko basteln, Sitzordnung, Zimmerverteilung und noch mehr basteln und noch mehr einkaufen und… meine Liste hörte nicht auf. Auch war mir nicht bewusst, dass alles so zeitintensiv ist. Sitzordnung einen ganzen Abend? Wofür? Vor Ort wird eh alles umgeworfen. Im Hinterkopf immer noch dieses Gefühl, du hast noch nichts zum Anziehen.

 

 

Noch 4 Tage bis zur Hochzeit: Ich MUSS jetzt meinen Rock nähen, sonst muss ich noch in einer Jeans auftauchen... Also auf ins Atelier, Handy aus, Hörbuch an und konzentrier dich. Fast geschafft. Nur noch ein letztes Mal aufbügeln, ein paar Fäden abschneiden und fertig bin ich. Er ist schön geworden. Ganz schlicht und einfach. Die fließende Seide hat genug Spielraum, um ihre schimmernde präsent zu zeigen. So habe ich es mir vorgestellt.

 

Noch 3 Tage bis zu Hochzeit – am nächsten Tag sollte es schon zum Schloss, zu unserer Location, gehen. Alles war gepackt und fertig. Ich ging noch schnell ins Atelier, um meinen Rock aufzubügeln. Das Bügeleisen war aufgewärmt und mit viel Dampf sollte die eine Falte doch auch noch verschwinden – SCHOCK! Auf einmal kam eine große Ladung Wasser aus dem Bügeleisen und hinterließ schrecklich viele, große gelbe Flecken auf dem weißen Rock. Fassungslos starrte ich eine halbe Ewigkeit auf den Rock. Ratlosigkeit, Wut, Trauer, Überforderung – ok Barbara, du musst dich jetzt zusammen reißen und eine Lösung finden. Ich ging nach Hause, öffnete die Waschmaschine: Schonprogramm, Waschnüsse und meine Stoßgebete müssen es richten! Piiiieeep, die Waschmaschine ist fertig. Noch nie habe ich selbige so zitternd geöffnet. Die Flecken sind tatsächlich draußen und es sieht nicht so aus, als wäre der Rock eingelaufen. Sachte aufhängen und ab ins Bett.

 

Noch 2 Tage bis zu Hochzeit – die Flecken sind anscheinend wirklich rausgegangen. Nur war er immer noch sehr nass. Also packte ich ihn in eine Tüte und nahm ihn nass und ungebügelt mit.

 

Noch 8 Stunden bis zu Hochzeit – endlich war mein Rock trocken und ich konnte ihn bügeln. Vorher kurz reinschlüpfen, um zu sehen, ob er sich durch das Waschen verzogen hat. Aber er passte immer noch perfekt. Mit aller Ruhe, die ich spät abends vor meiner Hochzeit noch aufbringen konnte, bügelte ich endlich final meinen Rock.

Es war vollbracht. Mein Outfit für meine Hochzeit steht und ist fertig.

 

 

 

Am nächsten Tag hatten wir eine sehr schöne Hochzeit! Alles hat gepasst und ich habe mich in meinem Dress sehr wohl gefühlt.

 

Ob unsere Ehe nun verflucht ist, mag ich bezweifeln. Was aber definitiv verflucht war, war der Entstehungsprozess des Kleides – oder eben doch kein Kleid. Ich würde nie wieder mein eigenes Hochzeitkleid nähen. Diesen Stress muss man sich wirklich nicht antun, aber das muss ich ja auch kein zweites Mal! #fingerscrossed

 

Wir lesen uns

eure Barbara

 

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