Das verfluchte Hochzeitskleid TEIL 1

In meiner Schneiderlehre erzählte mir meine Berufsschullehrerin von einem Fluch: „Eine Schneiderin darf unter keinen Umständen ihr Brautkleid selbst nähen oder designen. Solltest du es trotzdem machen, wird deine Ehe ab dem 1. Tag verflucht sein!“ Ok, zugegeben – etwas trashig ist das Ganze doch. Wieso sollte eine Ehe verflucht sein, nur weil man sich das Kleid selbst näht?

 

Mein erstes Praktikum in Berlin: Ich saß in der Mittagspause mit einer Designerin zusammen und sie erzählte mir aufgeregt, wie eine Designkollegin ihr eigenes Hochzeitkleid nähen will. Warum sie denn ihr Schicksal so herausfordern möchte. Mit Flüchen solle man nicht spielen.

 

Selbst meine Dozentin hat mir während meines Studiums von diesem Fluch erzählt.

 

Jetzt ist es bei mir soweit. Heute in zwei Wochen werde ich heiraten – und ich werde mir mein Kleid selbst nähen.

Bist du abergläubisch? Ich ein wenig. Aber nicht genug, um an den Fluch zu glauben. Ich glaube, dass irgendwer selbigen vor langer Zeit erfunden hat, damit die Braut sich nicht auch noch mit dem Nähen eines Kleides beschäftigen muss.

Freundinnen und Freunde aus der Modebranche rissen die Augen weit auf und ich hörte von „Sehr mutig!“ bis „Mach das auf keinen Fall!“ alles.

Aber ganz ehrlich? Was soll schon passieren?

 

Der Entschluss war gefasst und ich ließ meiner Kreativität freien Lauf. Ich hatte bereits eine ganz genaue Vorstellung von meinem Kleid – eine Rock-Blusen-Kombi. Ganz schlicht und einfach. Es ist ja „nur“ in einer sehr kleinen Runde auf dem Standesamt. Ich musste nur noch den passenden Stoff finden. Da meine Ansprüche bei der Stoffauswahl extrem hoch sind, tat ich mir schwer, den richtigen zu finden. In einem kleinen Stoffladen in Charlottenburg fand ich schließlich den vermeintlich perfekten. Ich wollte nur noch den Schnitt fertig machen – und dann zugreifen. Anschließend noch die Kombi nähen – und schon bin ich fertig.

 

Also, das dachte ich bis dahin noch sehr optimistisch. Natürlich kam alles anders. Und natürlich war es sehr dramatisch.

Nachdem ich den perfekten Stoff gefunden habe, kamen die ersten Zweifel auf. Ist das die richtige Art Kleid für mich? Passt der Stoff? Was ist, wenn ich das Kleid nicht hinbekomme? Mit so vielen Zweifeln habe ich mich an verschiedene Personen gewandt und sie um ihre Meinung gebeten: „Auf jeden Fall einen Reifrock!“, „Oh, was mit Spitze!“, „Denk dran, du wirst hoffentlich nur ein Mal ein weißes Kleid tragen!“ „ … “ – Shit. Jetzt wusste ich noch weniger als vorher.

 

Ein Besuch in einem Brautladen mit einem Freund sollte etwas Licht ins Dunkel bringen. Ich wollte herausfinden, welche Art von Kleid zu mir passt, um daraufhin einen Schnitt zu kreieren. Die Verkäuferin stellte mir fünf verschiedene Schnitte vor: von Spitze über Reifrock bis zum Vintage Kleid war alles dabei. Zwei Dinge hatten sie alle gemeinsam: 100% Polyester und unfassbare 1.500€ teuer. „Puh“, dachte ich mir „1.500 € für 10 kg Polyester, finde ich sehr schwierig.“ Ich probierte alle Kleider. In jedem kam ich mir unheimlich verkleidet vor. Nichts wollte wirklich zu mir passen und gestanden hat es mir auch nicht.

Und nun? Jetzt war ich genauso weit wie am Anfang.

 

Überstürzt setzte ich mich an einen klassischen Schnitt. Rückenausschnitt, lange Ärmel, an Taille und Hüfte etwas enger. Ich kaufte teure Bio-Seide aus Italien ein, um dann festzustellen, das die eine Seide sich überhaupt nicht nähen lässt – Verzweiflung. Die Einstellung: „Kümmere dich einfach ein anderes Mal drum“, half mir erst einmal sehr. Dennoch hatte ich es ständig im Hinterkopf.

 

Noch drei Wochen bis zur Hochzeit – und ich hatte immer noch nichts zum Anziehen.

 

Nach der Arbeit schlenderte ich über den Ku´damm. Ich ging in eine Boutique und da hing es. Ein Top. Mir hat es sofort gefallen. Zarte Träger, kurz geschnitten, schöner Ausschnitt und das wichtigste – aus Tencel und fair produziert. Ich nahm mir meine Größe, ging in die Umkleidekabine und probierte es. Da war er. Der WOW-Moment. Es passt perfekt, fühlt sich wunderbar an. Ich wusste, das Top muss ein Teil meines Outfit sein. Das einzige Problem bei der ganzen Sache: Es ist schwarz!

 

 

Wie es weitergeht und ob meine Ehe verflucht sein wird, erzähle ich euch in drei Wochen im 2. Teil. Bis dahin eine schöne Zeit.

 

Eure Barbara

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