Nachhaltigkeit par excellence?

Es gibt ein paar Dinge, die wir alle beherzigen können, wenn es darum geht, unserem Planeten etwas Gutes zu tun: den eigenen Müll trennen, falls möglich, beim Einkauf eher zu unverpackten bzw. nicht in Plastik verpackten Lebensmitteln greifen, aussortierte Klamotten nicht in den Müll werfen, sondern spenden, weiter verschenken oder verkaufen, die Waschmaschine erst anstellen, wenn sie auch voll ist… Die Überschwemmungskatastrophe in Deutschland hat uns wohl allen noch einmal vor Augen geführt, wie dramatisch der Klimawandel ist und dass es so nicht weitergehen kann. 

 

Dennoch, und das fällt nicht nur auf Social Media-Plattformen wie Instagram & Co., sondern auch im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis, immer mehr auf: Nicht selten sind Menschen, die selbst oft nicht einmal die einfachen, kleinen Dinge beachten, wenn es um nachhaltiges Leben geht, wiederum die ersten, denen es sauer aufstößt, wenn ein/e Veganer/in dann doch alle sechs Wochen mal ein Ei aus Freiland-Bio-Haltung isst oder jemand, die oder der sonst zu Green Fashion greift, mal ein Shirt einer Modekette trägt – ohne kurz drüber nachzudenken, dass es auch Secondhand auf dem Flohmarkt gekauft worden sein könnte. Leider geht es zu oft nicht darum, sich an die eigene Nase zu fassen, sondern schlicht darum, andere zu kritisieren statt wertzuschätzen, was die Person bereits beachtet. Handlungen zu hinterfragen ist gut und wichtig, das steht außer Frage, aber direktes Angreifen, Drauflosschimpfen und jemanden an den Pranger stellen, „weil sie oder er doch sonst immer so penibel auf alles achtet“, sollte nicht Sinn der Sache sein. Ob das nun Madeleine Darya Alizadeh aka Dariadaria ist, die mit einem Shitstorm kämpfen musste, weil ihre einzelne Süßkartoffel im Ofen zu viel Strom verschwende oder jemand, die oder der nach Möglichkeit immer die Bahn nimmt, dann aber doch einmal im Jahr ins Flugzeug steigt und sofort mit der so genannten „Flugscham“ konfrontiert wird.

 

Der Weg zu einem nachhaltigen Leben ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen funktioniert, sondern peu à peu in den Alltag integriert wird. Und dabei sollte es kein Grund zum Schämen sein, wenn beispielsweise auch aus bestimmten Situationen heraus nicht immer alles 100% wie gewünscht umgesetzt werden kann. Nicht jede/r hat einen „Unverpackt“-Laden um die Ecke, nicht jede/r plant bei Geburtstagsfeiern veganes Essen für die Gäste ein und nicht jede/r kann und möchte beispielsweise mit Baby oder Hund 8 Stunden im Zug statt 1 1/2 Stunden im Flugzeug durchhalten – und das sollte auch mal okay sein. Es ist durchaus schon ein Anfang, wenn eine Person, die bislang dem täglichen Fleischkonsum frönte, umdenkt und häufiger zu vegetarischen Alternativen greift, es ist durchaus schon ein Anfang, einmal die Woche das Fahrrad oder die Öffis zu nehmen statt das Auto, es ist durchaus schon ein Anfang, sich einen Coffee-to-go-Becher zuzulegen statt die Wegwerfbecher zu verwenden. Natürlich ist meistens mehr möglich und wir sollten alle danach streben, Schritt für Schritt noch einen selbigen in Sachen Nachhaltigkeit draufzusetzen, wir sollten aber genauso damit aufhören, andere – öffentlich oder im Privaten – dafür anzugreifen, wenn sie zwischendurch mal aus dem nachhaltigen Rahmen fallen. 

 

Eure Kristina

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Kommentare: 1
  • #1

    Charlotte (Freitag, 23 Juli 2021 12:02)

    Ich kenne da auch ein paar Kandidaten! Bekomme da direkt Wut im Bauch!